Monika Hohlmeier, Oberfranken • Ausgabe Nummer 12 - Januar 2012


Schluss mit der Verschwendung von Lebensmitteln

Die Zahlen sind erschreckend: Jedes Jahr wandern in der Europäischen Union 89 Millionen Tonnen einwandfrei genusstauglicher und gesunder Lebensmittel in den Müll. Umgerechnet auf alle Verbraucher sind das 179 Kilogramm oder anders ausgedrückt: Pro Tag wird ein Pfund Fleisch, Obst, Gemüse oder Fisch nicht gegessen, sondern achtlos entsorgt. Nicht eingerechnet sind hier Verluste bei der Erzeugung.

Angesichts von 925 Millionen Menschen weltweit, die von Unterernährung bedroht sind und 79 Millionen Menschen in Europa, die unterhalb der Armutsgrenze leben, stellen sich bei dieser Lebensmittelverschwendung massive ethische Fragen. Aber auch ganz handfeste Erwägungen müssen angestellt werden: Wir verbrauchen Ressourcen wie etwa Wasser, Düngemittel und Treibstoff um diese Lebensmittel herzustellen und zu vermarkten. Die Erzeugung von einem Kilogramm Lebensmittel zieht einen CO2-Ausstoß von 4,5 Kg auf den verschiedenen Ebenen der Produktions- und Vermarktungskette nach sich. Die Vernichtung von einem Kilogramm weggeworfener Lebensmittel bedeutet aber wiederum, dass CO2 ausgestoßen wird - 2 Kg.

Stoppen wir die Entwicklung der Lebensmittelverschwendung nicht, werden 2020 unvorstellbare 126 Tonnen Lebensmittel zu Abfall und die Verschwendung unserer natürlichen Bioreserven steigt um 40 Prozent.

Da es höchste Zeit zu handeln ist, hat das Europäische Parlament auf Initiative seines Landwirtschaftsausschusses eine Entschließung eingebracht, die die Kommission, aber auch die Mitgliedsländer anhält, sinnvolle Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung einzuleiten.

Dabei muss das Augenmerk auf drei besonders problematische Bereiche gelegt werden:

  1. Die Angabe von Mindesthaltbarkeiten auf Lebensmitteln ist für die Verbraucher in den Mitgliedsländern höchst unverständlich und führt dazu, dass völlig einwandfreie Lebensmittel in den Müll wandern. Dabei ist nicht die Mutter zu kritisieren, die aus Sorge um ihre Familie die Milch wegschüttet, deren "Haltbarkeitsdatum" überschritten ist. Sondern die Angaben zu Haltbarkeit und Verfall müssen transparenter, die Aufklärung der Verbraucher intensiver werden.
  2. In einigen Mitgliedsländern ist der Abverkauf von Lebensmitteln, deren Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist, unter Einstandspreis verboten. Dies führt nicht nur zu Verlusten an Lebensmitteln, die von den Einzelhändlern entsorgt werden, sondern verwehrt ärmeren Bevölkerungsschichten auch den verbilligten Zugang zu einwandfreier Ware.
  3. Übertriebene Vorgaben zu Mindestgrößen, äußerer Erscheinung oder Makelfreiheit von Lebensmitteln - insbesondere bei Obst und Gemüse - veranlassen oftmals schon die Erzeuger, gute Lebensmittel nicht in den Verkehr zu bringen und befördern die Lebensmittelverschwendung.

Es gilt sich Gedanken zu machen, wie "überschüssige" Lebensmittel an Personengruppen gebracht werden können, die tendenziell zu wenige Frischprodukte verzehren. Ein Ansatzpunkt könnte hier eine Verstärkung des Schulobst- und Schulmichprogramms sein, mit denen schon unseren Kindern der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln nahe gebracht werden kann.

Die Union muss hier eine Frage anpacken, die mittlerweile aus ethischen Gründen in der Gesellschaft stark diskutiert wird. So lautet eine Liedzeile der beliebten Band Nickelback "When we could feed a starving world, With what we throw away, But all we serve are empty words, That always taste the same".

Tatsächlich brauchen wir in Europa von den Mitgliedsstaaten Taten, keine Worte mehr.


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